Alter Botanischer Garten Kiel

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Gefleckter Aronstab Arum maculatum
Aronstabgewächse

Bestäubungsmechanismus Kesselfalle

Anlocken von kleinen Insekten
Im Frühjahr verströmt der dunkelviolette Kolben, der aus dem blassgrün gefärbten Hochblatt herausschaut, einen starken harnartigen Geruch, der besonders kleine Insekten, insbesondere die Weibchen der Schmetterlingsmücke der Gattung Psychoda anlockt. Der Kolben erzeugt durch Oxidation seines hohen Stärkeanteils eine erhebliche Wärme im Kessel, die etwa 15° C über der Umgebungstemperatur und bis zu 40° C erreichen kann. Dadurch werden die Geruchstoffe, harnartig riechende Armine, viel schneller freigesetzt. Die Insektenweibchen, die auf der Suche nach einem Eiablageplatz sind, fühlen sich durch den Geruch unwiderstehlich angezogen.

Eine tückische Gleitfalle
Kaum am Ziel angekommen, beginnt für die kleinen Insekten eine Rutschpartie, die im Inneren des Kessels endet, denn sämtliche Landeflächen wie der Kolben und die Blattinnenseite sind sehr glatt und mit einem abgesonderten Ölfilm überzogen. Abwärts gerichtete Reusenhaare am Ausgang der Kesselfalle verhindern, dass die Insekten wieder entkommen, bevor der Pollen übertragen wird.

Bestäubung
Viele von den kleinen Insekten tragen Blütenstaub von anderen Aronstabblüten schon mit. Sie krabbeln über die im unteren Teil der Kesselfalle befindlichen weiblichen Blüten, die sich zuerst öffnen, noch bevor die oberhalb liegenden männlichen Blüten ihren Blütenstaub abgeben. Die Insekten streifen ihren Pollen an den Narben der weiblichen Blüten ab, die zuvor ein kleines Tröpfchen Flüssigkeit abgegeben haben, an dem der Pollen haften bleibt. Im Laufe der Nacht öffnen sich die oberhalb befindlichen männlichen Staubgefäße und lassen ihren Blütenstaub herabrieseln, der an den kleinen Insekten haften bleibt. Durch diese Bestäubungsmethode wird eine Selbstbefruchtung verhindert, weil der männliche Blütenpollen erst ausgeschüttet wird, wenn die Befruchtung der weiblichen Blütenorgane stattgefunden hat.

Fortpflanzungsstrategie
Der Aronstab veranlasst, dass seine nächtlichen Besucher seine Kesselfalle wieder verlassen können, um seinen Pollen zu anderen Aronstäben weiterzutragen. Dazu reduziert er die Temperatur im Kessel, stellt die Ölproduktion ein, lässt sein Hochblatt verwelken, die Reusenhaare austrocknen bzw. erschlaffen, so dass die mit Blütenstaub beladenen kleinen Insekten die Kesselfalle wieder verlassen können.

Im Laufe der nächsten Monate entwickeln sich aus den bestäubten Fruchtknoten orangerote Beeren, die gerne von Waldvögeln gefressen werden, wobei die enthaltenen kleinen Kerne mit dem Vogelkot ausgeschieden werden und dann auf geeignetem Untergrund zu einem neuen Aronstab heranwachsen können.

Aronstab im Mai Aronstab im Juli

    Aronstab (Längsschnitt) im Mai Aronstab im Juli