Alter Botanischer Garten Kiel

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Geschichte des Alten Botanischen Gartens - Seite 2

1891 ließ Johannes Reinke (1849–1931) auf dem höchsten Geländepunkt, anstelle eines alten hölzernen Gartenhäuschens, einen spätromantischen Aussichtspavillon (Belvedere) mit Lotusblüte errichten, einem tradierten Zeichen für botanische Gärten. In einer nach Norden gelegenen Nische des Pavillons wollte er den Gartenbesuchern Meeresalgen der Kieler Bucht in großen Aquarien zeigen.

Die Aussichtsplattform, die durch eine schmale Außentreppe erklommen werden kann, wird überwölbt mit einer von Kunstschmied Kurt Lange gefertigten Krone aus filigranem Eisengeflecht und einem zentralen Abschluss aus Lotusblüten-Ornamentik. An der nördlichen Außenseite befindet sich jetzt in der Nische eine Nachbildung der Gründungstafel des 3. Botanischen Gartens „An der Prüne“, die auf das Gründungsjahr 1803 sowie die Namen der Gründer hinweist.

Die Gedenktafel oberhalb der Treppe zur Aussichtsplattform erinnert an Hermann Jacobsen. Dieser war in den Jahren 1929–1963 Technischer Leiter des Botanischen Gartens. Eine besondere Leistung war der Wiederaufbau des Gartens mit seinen Gewächshäusern nach den gewaltigen Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg. Anpflanzungen vieler ausländischer Bäume und Sträucher gehen auf ihn zurück. Durch sein „Handbuch der Sukkulentenkunde“ und andere Werke wurde er weltbekannt. Mehrere sukkulente Pflanzenarten verweisen namentlich auf ihn. Jacobsen wohnte in dem 1906/07 erbauten Inspektorenhaus, dem heutigen Literaturhaus.

Von 1978 bis 1984 wurde ein Großteil der Pflanzenbestände in den fünften Botanischen Garten, den "Neuen Botanischen Garten" der Christian-Albrechts-Universität, umgesiedelt. Danach erfolgte der Abriss der Gewächshäuser, und die Universität stellte die Pflege des jetzt "Alten Botanischen Gartens" ein. Ein Bebauungsplan sah eine Klinikerweiterung und einen Hubschrauberlandeplatz vor.

Dies wurde jedoch verhindert durch die Initiative des Vereins zur Erhaltung und Förderung des Alten Botanischen Gartens e.V., der 1980 mit der Vorsitzenden Edda Hinrichsen gegründet wurde. Das Grünflächenamt übernahm einen großen Anteil der Gartenpflege.

Alle erhaltenen Gebäude sowie auch die zugehörigen Flächen des Alten Botanischen Gartens sind seit Anfang der 1990er Jahre als besondere, künstlerische und städtebauliche Natur- und Kulturdenkmale in das Denkmalbuch des Landes Schleswig-Holstein eingetragen.

Der Pavillon wurde 1994 mit Vereins- und Landesmitteln grundlegend renoviert. Das Topfhaus ist mit zahlreichen Spenden und Fördermitteln seit 2016 bis heute saniert und instandgesetzt worden.

Der Alte Botanische Garten hat jetzt diverse Nutzungsmöglichkeiten zu bieten: Erholung für Mitbürger, Professoren, Studierende, Angestellte und Patienten der angrenzenden Universitätsklinik, Motivsuche für Fotografen und pflanzlicher Artenreichtum für Botanikinteressierte, Ausstellungen für Kulturinteressierte und Veranstaltungsrahmen für Feiern und Tagungen.

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Ausschnitt aus einer Planungsskizze für den 1891 fertiggestellten Pavillon am höchsten Punkt des Alten Botanischen Gartens


Apfelbaumallee zum Pavillon, um 1970
Foto: Wolfgang Tischler

Grundriss,
Landesbauamt Kiel II
Der Pavillon verfügt über einen oktogonalen Grundriss.